
Erlebnisse
Olivenernte: sieben Tage zwischen Netzen und Frantoio
Ende Oktober beginnt in den Marken die Ernte. Wer dann kommt, pflückt mit, sieht der Mühle zu und nimmt sein eigenes Öl mit nach Hause.
- Wann
- Ende Oktober bis Mitte November
- Wo
- Im Olivenhain des Hauses
- Aufwand
- Vormittags pflücken, nachmittags frei
Es gibt zwei Arten, italienisches Olivenöl kennenzulernen. Die eine ist, eine Flasche im Supermarkt zu kaufen. Die andere dauert eine Woche, macht die Hände klebrig und schmeckt hinterher völlig anders.
Rund um die Casa Bellavista stehen etwa neunzehn Olivenbäume. Sie müssen jedes Jahr geerntet werden, und zwar in einem recht engen Zeitfenster: In der Gegend um Senigallia beginnt die Ernte in der Regel Ende Oktober und zieht sich bis Mitte oder Ende November, je nachdem, wie das Wetter war und wie schnell die Früchte reifen.
Wie ein Erntetag abläuft
Morgens werden Netze unter den Bäumen ausgelegt. Dann wird gekämmt: mit kleinen Rechen, von Hand, Ast für Ast. Die Oliven fallen ins Netz, das Netz wird zusammengezogen, Blätter werden aussortiert, die Säcke wandern in den Schatten. Es ist keine schwere Arbeit, aber eine stetige und eine, bei der sich unterhalten lässt.

Entscheidend ist danach das Tempo. Gute Betriebe bringen die Früchte innerhalb weniger Stunden in die Mühle und pressen kalt. Je länger die Oliven liegen, desto mehr verlieren sie. Deshalb endet ein Erntetag meist im Frantoio, der örtlichen Ölmühle, wo man zusehen kann, wie aus den eigenen Säcken eine trübe, leuchtend grüne Flüssigkeit wird.
Olio nuovo schmeckt anders, als man denkt
Frisch gepresstes Öl ist kein sanftes Öl. Es kratzt im Hals, es ist bitter, es riecht nach geschnittenem Gras und grüner Mandel. Genau das sind die Merkmale, an denen man gutes Öl erkennt, und genau das verliert sich im Laufe des Jahres. Olio nuovo gibt es nur wenige Wochen lang.
In den Marken wächst unter anderem die einheimische Sorte Raggia, die typischerweise um Mitte November reif ist und ein Öl mit deutlicher Mandelnote ergibt. Wer die klassische Kostprobe will: geröstetes Brot, etwas Salz, großzügig Öl darüber. Mehr braucht es nicht.
Und drumherum
Die Ernte ist in der Region ein kleines Fest. In Scapezzano, einem Ortsteil von Senigallia, wird Anfang bis Mitte November die Festa dell'Olio Nuovo gefeiert, mit Verkostungen, offenen Ölmühlen und regionalen Spezialitäten. Ein guter Anlass, den freien Nachmittag zu füllen.
November ist in den Marken oft überraschend mild. Die Hügel sind leer, die Restaurants gehören wieder den Einheimischen, und abends brennt der Kamin im Wohnzimmer. Es ist die ehrlichste Jahreszeit hier.
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